Gemeinde St. Maria-Magdalena  -  Pfarramt  -  Advokatenweg 48  -  06114 Halle (Saale)      Impressum

Der Brief

Liebe Glieder und Freunde unserer Gemeinde St. Maria-Magdalena! Wer oder was verbirgt sich hinter dem Namen „Corpus Christi“, unter dem sich vom 17. bis zum 21. Juli  215 junge Erwachsene vor allem aus Deutschland, Lettland, Finnland, Norwegen, Schweden, Russland, der Ukraine mit einzelnen Vertretern aus Indien, Südafrika, Kanada und den USA in Halle versammelten? Im Einladungsschreiben heißt es: „Corpus Christi wird von der gleichnamigen Organisation veranstaltet. Ihr Ziel ist eine kirchliche und biblische Erneuerung unter jungen Erwachsenen in Europa im evangelisch-lutherischen Sinn. Seit 2009 findet Corpus Christi jährlich statt, bisher in Finnland, Schweden und Lettland, und dieses Jahr zum ersten Mal in Deutschland.“ Gegründet wurde „Corpus Christi“ von jungen Erwachsenen aus bekenntnislutherischen Kirchen in Skandinavien, die an ähnlichen Treffen in unserer Schwesterkirche in den USA teilgenommen hatten. Von Anfang an stammten daher die Referenten aus mit der SELK verbundenen Kirchen. „Corpus Christi“ ist lateinisch und bedeutet übersetzt: „der Leib Christi“. Mit dieser Selbstbezeichnung kommt zum Ausdruck, worum es bei den jährlichen Konferenzen geht, nämlich um das, was wir als lutherische Christen und Kirchen sind, was wir empfangen und was wir bekennen. Als Kirche sind wir der Leib Christi, wie das Neue Testament zum Beispiel in Röm. 12 und 1. Kor. 12 bezeugt. Als Kirche empfangen wir den Leib Christi, den der auferstandene Herr selbst uns zusammen mit seinem Blut im heiligen Abendmahl schenkt zur Stärkung unseres Glaubens. Als so gestärkte Glieder der Kirche bekennen wir uns zu Christus in seiner gottmenschlichen und leibhaften Gegenwart unter uns. Damit ist vorgegeben, was das Programm einer solchen Konferenz ist, wie sie jetzt in Halle stattfand. Die Tage waren  geprägt durch das liturgische Stundengebet der Kirche, die Mette, die Vesper und die Complet. Diese hielten wir im Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen. Darüber hinaus gab es das Angebot der Einzelbeichte durch teilnehmende Pastoren in verschiedenen Muttersprachen. Zwei Hauptgottesdienste wurden zudem in unserer Magdalenenkapelle gefeiert, die neben der Orgelmusik, für die unser Sprengelkantor Georg Mogwitz sorgte, auch durch einen während der Konferenz gebildeten Bläser- und einen ebensolchen Sängerchor ausgeschmückt wurden. Von den über 200 Gottesdienstteilnehmern empfingen jeweils ca. 175 das heilige Abendmahl, während sich Glieder von nicht bekenntnislutherischen Kirchen am Altar segnen ließen. Zweiter Pfeiler des Programms waren die Einheiten, durch die die Teilnehmer in Aspekte der biblischen Lehre eingeführt wurden. Dazu gehörte der über drei Vormittage verteilte Hauptvortrag von dem finnischen Pfarrer Esko Murto aus Kanada über das reformatorische Prinzip „Solus Christus“, das besagt, dass Christus allein Urheber unseres Heils und Herr der Kirche ist. Die anderen reformatorischen Grundprinzipien kamen dann in vertiefenden Vorträgen an den Nachmittagen zur Sprache. So führte Bischof Torkvild Masvie aus Norwegen ein in das reformatorische Schriftprinzip („Sola Scriptura“). Der finnische Pfarrer Tapani Simojoki, der in unserer Schwesterkirche in England tätig ist, hielt einen Vortrag über das Rettungswerk Christi, das uns allein aus Gnaden („Sola Gratia“) geschenkt wird. Pfarrer Daniel Brandt aus Schweden ergänzte diesen Aspekt mit seinen Ausführungen darüber, dass wir allein durch den Glauben an Christus – und nicht durch unsere Werke, Gefühle und Gedanken – in Gottes Gericht gerechtfertigt werden („Sola Fide“). Neben diesen Hauptvorträgen, die wie die Gottesdienste in englischer Sprache gehalten wurden, gab es auch kleine Seminareinheiten, zum Teil in Englisch, zum Teil in den Muttersprachen der Referenten, die auch Raum für Diskussionen boten. So stellte Missionar Hugo Gevers aus Leipzig die Arbeit unter Flüchtlingen in Deutschland vor. Kantor Mogwitz führte ein in theologische Aspekte der Musik Johann Sebastian Bachs. Pfarrer Samuli Siikavirta aus Finnland, der auch für die Vorbereitung der Gottesdienste verantwortlich war, führte ein in die kirchliche Liturgie. Elisabeth Murto, die aus der SELK stammt, sprach über das biblische Verständnis von Mann und Frau und von der Ehe. So festlich wie die Gottesdienste gefeiert wurden und so intensiv wie die Lehrveranstaltungen aufgenommen wurden, so temperamentvoll wurden die nachmittäglichen Freizeitaktivitäten gestaltet, die durch junge Erwachsene aus den SELK-Gemeinden Erfurt, Leipzig, Dresden und Halle vorbereitet worden waren. Dazu gehörten Wettbewerbe auf den Sportplätzen der Universität, das Baden in der Saale am Ziegelwiesenstrand, Stadtführungen und Museumsbesuche. Den Höhepunkt bildete das bunte Abschlussfest am Donnerstagabend, das zunächst wegen eines kurzen Regenschauers im Turm der Moritzburg und anschließend im Burggraben mit musikalischen und humoristischen Vorträgen und begeistert aufgenommenen Volkstänzen vor wunderbarer Kulisse stattfinden konnte, bevor der Tag mit dem Nachtgebet in der Kapelle seinen Abschluss fand. Am Freitagmorgen versammelten sich alle Teilnehmer noch einmal zum Hauptgottesdienst in der Magdalenenkapelle, bevor sie mit den von Familie Kuhn vorbereiteten Lunchpaketen aus Halle verabschiedet wurden. Viele nutzten den Aufenthalt in Halle zu anschließenden Besuchen in Wittenberg oder anderen deutschen Urlaubsregionen. Viele Teilnehmer brachten ihre Freude und Dankbarkeit darüber zum Ausdruck, wie schön es in Halle ist und wie gut es war, die Konferenz erstmals in Deutschland abzuhalten. Dieser Dank - auch an unsere Gemeinde - wurde ausdrücklich am Ende der Konferenz durch das Leitungsgremium von „Corpus Christi“ ausgesprochen. Und ich gebe diesen Dank gerne weiter an alle, die mitgeholfen haben, die vielen Studenten auch von unserer Theologischen Hochschule in Oberursel, die neben jungen Leuten aus unserem Sprengel Ost die tragenden Säulen der deutschen Organisationsgruppe bildeten. Gedankt sei auch den Gemeindegliedern, die mithalfen, zusätzliche Bierzeltgarnituren aus Großwülknitz im Innenhof der Franckeschen Stiftungen aufzubauen, die Übernachtungsgäste aufnahmen (darunter auch die Diakonissen in der Nachbarschaft unseres Gemeindehauses, die zwei Referenten aufgenommen hatten, denen für ihre Gastfreundschaft ebenfalls herzlich gedankt sei), die Programmpunkte zuverlässig vorbereitet und durchgeführt haben. Pfarrer Hinrich Brandt aus Greifswald kümmerte sich zudem um 15 „Bodenschläfer“ aus Lettland, die in unserm Gemeindehaus untergebracht waren. Auch Frau Babette Hahn von den Franckeschen Stiftungen ist sehr zu danken, da sie uns in jeder Hinsicht zuvorkommend aufnahm, so dass wir uns in den „Stiftungen“ wie zu Hause fühlen konnten. Unser Dank gilt auch Herrn Prof. Dr. Reinhard Thoele, der uns für die Seminare den Zugang zu Räumen der in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Gebäude der theologischen Fakultät vermittelte. Dank gebührt zuerst und zuletzt dem dreieinigen Gott für allen geistlichen Segen, den die Konferenzteilnehmer und wir als gastgebende Gemeinde erfahren durften, für alle Bewahrung und auch für das wunderbare Wetter, das wir in dieser Woche in Halle hatten. Angekündigt wurde am Ende, dass die Konferenz 2018 in Prag stattfinden soll, voraussichtlich in der letzten Juliwoche. Interessierte junge Erwachsene im Alter ab etwa 17 Jahren sollten sich diese Zeit im Kalender schon einmal freihalten. Mit diesem Bericht grüße ich Sie alle – etwas erschöpft, aber auch tief erfüllt von allem Erlebten – als Ihr Pastor Armin Wenz