Gemeinde St. Maria-Magdalena - Pfarramt - Advokatenweg 48 - 06114 Halle (Saale) Impressum Datenschutz

Der Brief

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! (Johannes 20,11-16) Liebe Glieder und Freunde unserer Gemeinde St. Maria-Magdalena! Wohl dem, der in Coronazeiten einen Garten hat. Während man in der „Coronakrise“ mancherorts in öffentlichen Parks nicht einmal ein Buch lesen durfte oder zu zweit sich niederlassen durfte, um ein Picknick zu machen, kann man im eigenen Garten relativ unbehelligt unterwegs sein, solange man nicht zu einer Gartenparty einlädt. Gartenarbeit und Gartenfreuden sind gesund und können auch gegen Depression und Resignation hilfreich sein. - Gärten spielen in der Heiligen Schrift eine wichtige Rolle vom Anfang bis zum Ende der Heilsgeschichte. Gärten in der Bibel sind Orte der Ruhe, der Erholung, Orte auch der Arbeit und Anstrengung. Und sie können Orte der Versuchung, des Verrats, der Anfechtung werden. Der erste, der in der Heiligen Schrift einen Garten baut, ist Gott selbst, von dem es in der Schöpfungsgeschichte heißt: Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. (1. Mose 2,8) Doch wir wissen, wie es endet. Der Mensch ist nicht zufrieden mit seiner Existenz als Pfleger des Gartens, sondern will selber Gott werden, so die Verheißung des Versuchers. Dadurch aber bringt der Mensch Sünde, Krankheit und Tod über sich und die Welt. Seither wird gestorben, seither kämpfen Gärtner gegen Dornen und Ärzte gegen Krebszellen, Bakterien und Viren. Gott aber hört nicht auf, um seine Menschen zu ringen. Der Höhepunkt dieses Ringens ist die Sendung Jesu Christi, des ewigen Gottessohnes. Dass dieser für Gärten ein besonderes Herz hat, zeigen uns seine Gleichnisse oder die Worte von den Lilien auf dem Felde. Doch auch Jesu Geschichte scheint tragisch in Gärten zu enden. Im Garten Gethsemane nehmen die ihn gefangen, die sich das bei Tageslicht und in der Stadt nicht getraut hatten. So wird der Garten für Jesus zur Falle. Nach dem schrecklichen Martyrium aber, das Jesus in seiner Kreuzigung erleidet, wird ein anderer Garten für seinen gepeinigten Leib zum Ort der Ruhe. Josef von Arimathäa, ein heimlicher Jünger Jesu, erbarmt sich, um mit Nikodemus zusammen den Leichnam Jesu zu bergen und ihn in einem Garten zu begraben. So wird Josefs Garten für Jesus zum Ort der göttlichen Sabbatruhe, nachdem er am Kreuz sein Heilswerk vollendet hatte mit den Worten: Es ist vollbracht. So ruht er am siebten Tag der Woche im Garten, wie Gott einst ruhte, als die Schöpfung vollendet war. Damit aber deutet sich mit der Grablegung Jesu im Garten nach den furchtbaren Schrecknissen der Kreuzigung schon die Wende an. Die Chaosmächte, die sich am Vortag noch austoben durften, schweigen bereits. Das Leiden Christi ist zu Ende. Für seine Freunde kann nun die Trauer beginnen. So verwundert es nicht, dass sich am Sonntagmorgen die ersten beim Grab einfinden. Maria von Magdala macht den Anfang. Doch als sie das Grab erreicht, kommt zur Trauer der Schock: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. So ihre Worte zu den Engeln beim leeren Grab. Und als sie merkt, dass jemand hinter ihr steht, von dem sie vermutet, er sei der Gärtner, fragt sie ihn: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen. Durch zwei Engel und einen vermeintlichen Gärtner bereitet unser Heiland Maria von Magdala vor auf die größte Entdeckung ihres Lebens. Maria darf die erste sein, der die Osterfreude zuteil wird, als der lebendige Christus sie bei ihrem Namen ruft. Maria von Magdala, die auch Maria Magdalena genannt wird, steht uns in unserer Kapelle gleich mehrfach vor Augen in den Wandgemälden und Glasfenstern. Das mittlere Glasfenster über dem Altar zeigt sie, wie sie Christus begegnet, der in der einen Hand den Spaten des Gärtners, in der anderen Hand die Fahne des Ostersiegers trägt. Möge uns dieses Bild dazu helfen, dass die Angstschleier des Lebens und des Sterbens, die uns den Blick auf unsern Heiland verdecken, immer wieder weggezogen werden durch seinen Ruf, durch seine Einladung. Die Begegnung mit ihm, die leibhaftig ist, weil er leibhaftig den Tod besiegt hat, bringt uns niemals den Tod, sondern das Leben. Das gilt für das Wasser der Taufe, das ebenso wie das Blut des Abendmahls aus seiner Seitenwunde auf uns fließt, uns zu besprengen, uns zu tränken, unserm Leib das ewige Leben zu schenken und uns darin zu erhalten. Medizin der Unsterblichkeit nennen die Väter und Mütter der Alten Kirche darum das Abendmahl. Hier kommt nicht nur der himmlische Gärtner zu uns, sondern auch der himmlische Arzt. Dass wir dabei auch darauf achten, diese Gaben nicht nur ehrfürchtig, sondern auch nach bestem Wissen sauber und reinlich auszuteilen und zu empfangen, ist davon unbenommen. Dass uns der Heiland aber auch in Pandemiezeiten ganzheitlich begegnet und von uns nicht nur gehört, sondern auch in den Gaben seines lebendigmachenden Leibes und Blutes gegessen und getrunken werden will, ist ein Segen und kein Fluch. Denn eingesetzt hat er diese Gaben, um sich selbst und darin ewiges Leben zu schenken. So kann man getrost leben und selig sterben. Diesen Trost und diese Gewissheit bewahre unter uns der dreieinige Gott. Mit herzlichen Segenswünschen für die österliche Freudenzeit, Ihr Pastor Armin Wenz
Mittelfenster der Magdalenenkapelle
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