Gemeinde St. Maria-Magdalena  -  Pfarramt  -  Advokatenweg 48  -  06114 Halle (Saale)      Impressum

Der Brief

Liebe Glieder und Freunde unserer Gemeinde St. Maria-Magdalena! Die diesjährige Jubiläums-Gemeindebegegnung in Nettelkamp nehmen wir zum Anlass, eine Andacht von Pfarrer Andreas Eisen aus dem Nettelkamper Gemeindebrief zu übernehmen. Diese lässt sich lesen als Kommentar zu einem weiteren zentralen Lutherwort. Dabei handelt es sich um die erste der 95 Thesen Martin Luthers gegen den Ablass vom 31.10.1517. Diese These lautet: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus sagt: Tut Buße usw. (Matth. 4,17), wollte er, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein sollte.“ Mit dieser Andacht sei daran erinnert, worum es in der Reformation ging und in der lutherischen Kirche bis heute geht. In diesem Sinne lade ich Sie herzlich ein, von den Gaben Gottes, die auch unter uns ausgeteilt werden, reichlich in der Gemeinde Gebrauch zu machen. Ihr Pastor Armin Wenz Liebe Leser! Christus spricht in Lukas 15, Vers 10: „So wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ Damit lehrt er uns, die Sichtweise Gottes einzunehmen, mal wegzuschauen von sich selbst und hinzuschauen auf den Vater im Himmel. In dem großen Kapitel über das Verlorensein in Lukas 15 erzählt Jesus drei Gleichnisse: Vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Groschen und vom verlorenen Sohn. Alle drei Gleichnisse verbindet der Blick zu Gott dem Vater. Dort wird Freude sein über den Sünder, der Buße tut. Dreifach von Jesus betont lohnt es sich, genau diese Perspektive einzunehmen. Nun fragt sich manch einer, was nützt mir die Freude im Himmel, ich will selber Spaß! Lieber möchte ich meines eigenen Glückes Schmied sein. Und so zieht der Mensch aus auf der Suche nach Freiheit, Autonomie und Selbstbestimmung. Und er setzt dies dem Dreiklang von Freude bei Gott – Sünder – Buße entgegen. Doch die Freiheit, die sich der vermeintlichen Fesseln einer Bindung an Gott entledigt, die „auto-nom“ sein will, also nur das selbst Gesetzte anerkennt, die als Selbstbestimmung aus der lie-benden Zuwendung zu Gott und dem Nächsten herausfällt, entpuppt sich am Ende als Verlorenheit. Was so modern und zeitgemäß daherkommt und alle Welt im Munde führt, der Dreiklang von Freiheit, Autonomie und Selbstbestimmung, beschreibt die Situation des Sohnes aus dem Gleichnis Jesu, der sich in der Welt verloren hat. Sinnesänderung tut Not. Umkehr. Den Blick wieder zum Vater richten. Buße tun. Mit der Umkehr zu  Gott setzt die Erkenntnis der Sünde ein: Herausgefallen zu sein aus der Gemeinschaft mit Gott und schuldig geworden am Nächsten. Aber ein Sünder, der Buße tut, darf nach den Worten Jesu in den Himmel schauen: Dort wird Freude sein! Denn den Verlorenen schließt Gott Vater in die Arme. Ja, so wird Freude sein! Reformation feiern heißt, diese Sichtweise Gottes einzunehmen, Wegzuschauen von sich selbst und hinzuschauen auf den Vater im Himmel, wie ihn Jesus uns zeigt. Und so die Freude der Buße entdecken. Pastor Andreas Eisen