Gemeinde St. Maria-Magdalena  -  Pfarramt  -  Advokatenweg 48  -  06114 Halle (Saale)      Impressum      Datenschutz

Der Brief

Liebe Glieder und Freunde der Gemeinde St. Maria- Magdalena! Wer wandert, kommt immer wieder an Weggabelungen. Manche Wege enden in einer Sackgasse. Da ist es gut, wenn die Wege gut markiert sind und man eine Wanderkarte dabeihat. Im Gebirge kann man sich leicht in Gefahr begeben, wenn man vom Weg abkommt, etwa weil man eine vermeintliche Abkürzung nehmen will. Kein Wanderer würde ernsthaft behaupten: Ne, gefährliche Abgründe gibt es nicht, weil sie mir nicht gefallen, weil sie mir Angst machen, weil sie nicht zur Schönheit der Berge passen. Angst kann durchaus ein gesunder Instinkt und ein guter Ratgeber sein, wenn sie uns davor bewahrt, einen tödlichen Fehler zu begehen. Die Freude an einer schönen Bergwanderung wird durch den Respekt vor den Gefahren im Gebirge nicht getrübt. Vielmehr schützt dieser Respekt die Freude und hilft uns, dass wir gesund am Gipfel und später wieder im Tal ankommen. Ähnlich ist es auf der geistlichen Wanderung unseres Lebens. Es gibt in der Kirche und unter Christen manchmal die Meinung, von Gefahren und Irrwegen dürfe man nicht reden und der Hinweis auf den Abgrund der Hölle sei mit der Predigt der Liebe Gottes nicht vereinbar. Jesus selbst redet dagegen immer wieder von der Hölle und von der Verdammnis. Und er tut es, weil er uns liebt, weil er uns auf die Gefahr aufmerksam machen will, in die man sich begibt, wenn man meint, selbst seines Glückes Schmied zu sein. Oder wenn man meint, durch eigene Werke vor Gott gerecht werden zu können, einen Erlöser nicht zu brauchen, der für uns am Kreuz stirbt und sich verdammen lässt, damit wir am Ende um seinetwillen und im Glauben an ihn nicht mehr verdammt werden im Jüngsten Gericht. Oder wenn man meint, den eigenen Glauben ohne das Leben aus den von Christus zur Stärkung des Glaubens gestifteten Gnadenmitteln bewahren zu können. Dorthin, zu diesen Gnadenmitteln, weist uns die Landkarte der Heiligen Schrift. Dort, am Taufstein, am Altar und unter der Kanzel sind die Punkte und Markierungen, die den Weg zur Ewigkeit weisen. Dort werden wir von den Irrwegen, Irrlehren und Irrlichtern der Welt und unserer Herzen zur Umkehr gerufen zu dem einzigen Heiland, Jesus Christus. Dort führt er uns durch seinen Geist und lässt unsere Füße sicher Tritte tun. Pfarrer Wilhelm Busch erzählt einmal folgende Geschichte: In einem englischen Schloss war eine größere Gesellschaft zusammen. Man saß um den offenen Kamin und plauderte über alles Mögliche. Schließlich kam das Gespräch auch auf die Bibel. Da bekannte die junge Hausfrau ganz offen, dass sie die Bibel als Gottes Wort ansehe und darum glaube, was drinstehe. Ein Herr fragte spöttisch: „Dann glauben Sie auch, dass es eine Verdammnis gibt?“ „Ja, das glaube ich, weil Jesus es gesagt hat.“ Da stand der Herr auf und ging in den Hintergrund des Saales, wo ein hübscher Käfig hing. Darin war ein bunter Wellensittich. Der Herr öffnete schweigend den Käfig, nahm den Vogel heraus, ging auf den Kamin zu und schickte sich an, das Tier in die lodernden Flammen zu werfen. Die Hausfrau fiel ihm in den Arm: „Was tun Sie? Lassen Sie das arme Tierchen los!“ Da lachte der Herr spöttisch auf und rief: „So, dieses armselige Tier tut Ihnen leid, wenn ich es ins Feuer werfen will? Und Ihr sogenannter Gott der Liebe wirft ohne mit der Wimper zu zucken Millionen Menschen in die Hölle? Das ist ja ein sehr merkwürdiger Gott der Liebe!“ Die große Gesellschaft schwieg und sah auf die junge Frau. In diese Stille hinein sagte die – und man merkte ihrer Stimme die Erschütterung an: „Sie irren! Gott wirft uns nicht in die Hölle. Er tut vielmehr alles, uns zu erretten. Nein! In die Hölle laufen wir selber. Verstehen Sie? In die Hölle laufen wir selber! Den Weg erwählen wir uns selber!“  So ist es! Und nun ist nur noch zu sagen: Die junge Frau hatte sehr recht, wenn sie erklärte: „Gott tut alles, um uns zu erretten.“ Darum sandte er uns seinen Sohn. Einer, der an den Sohn Gottes glaubte, bekannte: „Gott hat uns errettet von der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes“ (Kolosser 1,13). So weit Wilhelm Busch. Weil allein Christus der Retter aus Hölle, Tod und ewiger Einsamkeit ist, weil er allein uns den Himmel, das Leben und ewige Gemeinschaft mit Gott und den Seinen schenkt, vertrauen wir seinen Worten. Denn sowohl seine ernsthaften Warnungen vor den Abgründen des Bösen als auch seine gewiss machenden Einladungen und Verheißungen himmlischer Güter sind Zeichen seiner Liebe und Wertschätzung, die er für uns hat und die er uns in unseren Gottesdiensten erweist. So grüßt Sie alle herzlich Ihr Pastor Armin Wenz