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Der Brief

Liebe Glieder und Freunde der Gemeinde St. Maria-Magdalena! Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! So erschallt in der Osterzeit der Freudenruf der Christenheit rund um die Welt. Der auferstandene Herr trägt die Wundmale, die daran erinnern, dass er am Kreuz hing. Seine Auferstehung besiegelt, dass sein Tod des Todes Tod ist. Er hat die Verderbensmächte besiegt. Sein Blut ist geflossen zur Befreiung der Menschen vom ewigen Tod. Sein Blut öffnet die Pforten der Hölle, so dass wir frei herausgehen und kraft unserer Taufe mit ihm unser Leben teilen. Schon das Kreuz deutet diesen Sieg an, wenn wir sehen, dass es auf der Schädelstätte, dem Friedhof, aufgerichtet wird, dem einen Ort, den alle Menschen – arm und reich – miteinander teilen werden. Möge daher das Kreuz Jesu Christi auch die Mitte unserer Wohnungen und unseres Herzens sein, so wie wir bei jedem Beichtempfang und Abendmahlsgang uns um das Kreuz versammeln. Karfreitag und Ostern haben die Künstler, Musiker und Dichter unserer Welt zu vielen ihrer Werke inspiriert. Auch Annette von Droste-Hülshoff stimmt in den Osterjubel auf ihre Weise ein und lehrt uns Staunen darüber, dass wir Menschen unserem Gott so wichtig und wert sind, dass er selbst in seines Sohnes Kreuz und Auferstehung die Erlösung schafft, die allein uns mit unserem Schöpfer und barmherzigen Richter wieder vereinen kann. Mit unserer für Gottes Wahrheit blinden Vernunft lässt sich dies Wunder nicht ergründen (Das meint die Gedichtstrophe: „Der Stein des Falles harrt des Blinden, wenn er die Wege Gottes misst“). Gott schenkt uns Glauben durch die Gabe seines Geistes und entzündet durch die Liebe seines Sohnes zu uns unsere Liebe zu ihm. Hast du den auferstandenen Christus bei dir, so gehört dir die Seligkeit im Himmel wie auf Erden, so bleibt nichts zu grübeln über dein Heil, denn im Himmel, da sitzt dein Bruder, der doch von Ewigkeit das Ebenbild Gottes des Vaters ist und dort beim Vater für dich und dein Heil bittet. Darum lass dich nicht abhalten davon, seine Gemeinschaft zu suchen, die er dir in seinen Gottesdiensten schenkt. Hier finden wir Trost und Geborgenheit auch in unserer Trauer über unsere Toten, in unserer Erschöpfung am irdischen Leben. Unter seinem Kreuz und an seinem Altar wächst Freude in unseren Herzen, selbst wenn wir noch Tränen in den Augen haben. Der Heilige Geist gebe uns allen solche Freude und erhalte die Sehnsucht nach dem einzigen Heiland und nach seiner Gemeinde in unseren Herzen. So wünsche ich uns allen eine mit Gottes Heilsgaben gefüllte Osterzeit, Ihr Pfarrer Armin Wenz
O jauchze, Welt, du hast ihn wieder, Sein Himmel hielt ihn nicht zurück! O jauchzet, jauchzet, singet Lieder! Was dunkelst du, mein sel'ger Blick? Es ist zu viel, man kann nur weinen, Die Freude steht wie Kummer da; Wer kann so großer Lust sich einen, Der all so große Trauer sah? Unendlich Heil hab' ich erfahren Durch ein Geheimnis voller Schmerz, Wie es kein Menschensinn bewahren, Empfinden kann kein Menschenherz. Vom Grabe ist mein Herr erstanden Und grüßet Alle, die da sein; Und wir sind frei von Tod und Banden Und von der Sünde Moder rein. Den eignen Leib hat er zerrissen, Zu waschen uns mit seinem Blut; Wer kann um dies Geheimnis wissen Und schmelzen nicht in Liebesglut? Ich soll mich freun an diesem Tage Mit deiner ganzen Christenheit, Und ist mir doch, als ob ich wage, Da Unnennbares mich erfreut. Mit Todesqualen hat gerungen Die Seligkeit von Ewigkeit; Gleich Sündern hat das Graun bezwungen Die ewige Vollkommenheit.
Mein Gott, was konnte dich bewegen Zu dieser grenzenlosen Huld! Ich darf nicht die Gedanken regen Auf unsre unermeßne Schuld. Ach, sind denn aller Menschen Seelen, Wohl sonst ein überköstlich Gut, Sind sie es wert, daß Gott sich quälen, Ersterben muß in Angst und Glut? Und sind nicht aller Menschen Seelen Vor ihm nur eines Mundes Hauch? Und ganz befleckt von Schmach und Fehlen, Wie ein getrübter dunkler Rauch? Mein Geist, o wolle nicht ergründen, Was einmal unergründlich ist; Der Stein des Falles harrt des Blinden, Wenn er die Wege Gottes mißt. Mein Jesus hat sie wert befunden In Liebe und Gerechtigkeit; Was will ich ferner noch erkunden? Sein Wille bleibt in Ewigkeit! So darf ich glauben und vertrauen Auf meiner Seele Herrlichkeit! So darf ich auf zum Himmel schauen In meines Gottes Ähnlichkeit! Ich soll mich freun an diesem Tage: ich freue mich, mein Jesu Christ! Und wenn im Aug' ich Tränen trage, Du weißt doch, daß es Freude ist.
Am Ostersonntag                                Annette von Droste-Hülshoff