Gemeinde St. Maria-Magdalena  -  Pfarramt  -  Advokatenweg 48  -  06114 Halle (Saale)      Impressum      Datenschutz

Der Brief

Liebe Glieder und Freunde unserer Gemeinde St. Maria-Magdalena! Im Leben einer Gemeinde gibt es wie in der Musik Zäsuren, Einschnitte, Ruhephasen, Umbrüche, die aber den Lebensfluss nicht zerstören, sondern Anlass geben zu Dank für das Gewesene und zur Neugierde auf das Kommende. In diesem Winter haben uns einige ehemalige Studenten verlassen und sind in andere Gemeinden umgezogen, um dort ihren erlernten Beruf anzutreten. Wir merken das vor allen in den Chören. Zugleich gibt es Gemeindeglieder, die aus Altersgründen die bisher übernommenen Aufgaben nicht mehr fortsetzen können. So hat unser langjähriger Organist anlässlich seines letzten Einsatzes im Posaunenchor am 27. Januar bekanntgegeben, sich von seinen bisherigen Diensten in den Ruhestand zu verabschieden. Wir werden anlässlich seines bevorstehenden 80. Geburtstages das mit einem gemeinsamen festlichen Mit-tagessen am 5. Mai nach dem Gottesdienst angemessen würdigen und ihm für seine vielfältigen Dienste an der Gemeinde danken. Konkret heißt das für die nahe Zukunft auch, dass wir gelegentlich sonntags ohne Orgelbegleitung singen werden, was aber bei der exzellenten Akustik unserer Kirche auch gut machbar ist (an Bußtagen tun wir das bisher schon). Dennoch freuen wir uns zugleich über Nachwuchs in der Kirchenmusik und besonders darüber, dass unter fachkundiger Unterrichtung durch unseren Posaunenchorleiter  eine Gruppe von Jungblechbläsern heranwächst, die am 27. Januar bei dem äußerst hörenswerten Weihnachtskonzert des Posaunenchors zum ersten Mal ihr Können zum Besten gaben. Jeden Montag wird im Gemeindehaus fleißig geübt, damit die Nachwuchskräfte bald im Chor der Großen mitwirken können. Aber auch im Kirchenchor sind wir auf der Suche nach neuen Mitwirkenden – vor allem in den Frauenstimmen. Derzeit ist der Alt einfach, der Sopran doppelt besetzt, während wir in den Männerstimmen jeweils gleich mehrere Sänger haben. Der ein oder andere in der Gemeinde ist auch des Orgelspiels mächtig. Hier machen wir Mut: Es muss nicht gleich mit Bachschen Fugen und Toccaten losgehen, wenn man anfängt, Liturgie und Ge-meindegesang an der Orgel zu begleiten. Es reichen auch ganz schlichte Stücke. Schließlich noch ein Wort in eigener Sache. Im vorletzten Gemeindebrief berichtete ich vom Forschungsurlaub, den mir die Kirchenleitung für die Fertigstellung einer wissenschaftlichen Arbeit an der Universität Hamburg zur Verfügung gestellt hat. Davon verbringe ich manche Tage einfach auch in Halle im Pfarramt, so dass die gemeindlichen Aufgaben darüber nicht ins Hintertreffen kommen, wie ich hoffe. Im Februar ist es aber noch einmal nötig, mich für eine Woche nach Wolfenbüttel an die Herzog-August-Bibliothek zu begeben. Nach menschlichem Ermessen kann und soll ich meine Arbeit über den Thüringer Barocktheologen Salomon Glassius und seine Schriftauslegung Anfang Mai in Hamburg einreichen. Darum bitte ich um Verständnis dafür, wenn die Passionszeit in diesem Jahr ein wenig reduziert begangen wird. So sind nach dem Aschermittwoch jeweils nur drei Passionsandachten in Großwülknitz und Halle vorgesehen. Ansonsten läuft aber alles weiter wie gewohnt, und ich danke der Gemeinde schon jetzt für alles Verständnis und für alle Fürbitte. Grüßen möchte ich Sie heute mit einem Text Martin Luthers, der gut auf die bevorstehende Passionszeit einstimmt, indem er uns lehrt, dass die Betrachtung des Leidens Christi uns auch zur Vorbereitung auf unser eigenes Sterben dient. Das Sterben nicht zu verdrängen ist nach biblischer Überzeugung ein Schlüssel für ein weises und gottgefälliges Leben. Darum geht es hier nicht um „Vertröstung“ auf die Ewigkeit, sondern um eine nüchterne Sicht auf unser Leben, das in jedem Augenblick nur ein Brett breit von der Ewigkeit entfernt ist. Nur Gott weiß, wann er uns zu sich holt. Bis dahin aber gilt: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir (für dieses und fürs ewige Leben) klug werden. So grüße ich Sie alle mit herzlichen Segenswünschen für die Passionszeit und für die österliche Freudenzeit, der wir entgegengehen, Ihr Pastor Armin Wenz Aus der Schrift Martin Luthers: Sermon von der Bereitung zum Sterben (gekürzt und vorsichtig sprachlich überarbeitet) Wer nun mit dem Tod, der Sünde und der Hölle aus eigener Kraft fechten und sie austreiben will, dem wird es nicht genügen sein, dass er sich mit ihnen schlage oder ringe, denn sie werden ihm zu stark sein. Die Kunst besteht ganz und gar darin, sie fallen zu lassen und nichts mit ihnen zu handeln. Wie geht aber das zu? Es geht also zu: Du musst den Tod in dem Leben, die Sünde in der Gnade, die Hölle im Himmel ansehen und dich von diesem Ansehen nicht abbringen lassen, wenn dir’s gleich alle Engel, alle Kreaturen, ja, wenn’s auch dich dünkt, Gott selbst anders vorlegen   was sie doch nicht tun, aber der böse Geist macht einen solchen Schein. Wie soll man also damit umgehen? 1. Du musst den Tod nicht in ihm selbst noch in dir und deiner Natur noch in denen, die durch Gottes Zorn getötet sein, die der Tod überwunden hat, ansehen oder betrachten, du bist sonst verloren und wirst mit ihnen überwunden. Sondern deine Augen, deines Herzens Gedanken und alle deine Sinne musst du gewaltig abkehren von diesem Bild und den Tod stark und emsig ansehen nur in denen, die in Gottes Gnaden gestorben sind und den Tod überwunden haben, vornehmlich in Christus selbst, danach in allen seinen Heiligen. Siehe, in diesen Bildern wird dir der Tod nicht schrecklich noch grausam erscheinen, sondern verachtet und überwunden. Denn Christus ist nichts als nur Leben, seine Heiligen auch. Je tiefer und fester du dir dies Bild einbildest und ansiehst, desto mehr wird des Todes Bild abfallen und von selbst verschwinden, ohne alles Zerren und Streiten, und so hat dein Herz Frieden, und es mag mit Christus und in Christus ruhig sterben. Wie in der Offenbarung steht: Selig sind, die in dem Herrn Christus sterben (Offb 14,13). Das sieht man auch im 4. Buch Mose 21, als die Kinder Israels, von den feurigen Schlangen gebissen, nicht sich mit den Schlangen beschäftigen sollten, sondern die tote eherne Schlange ansehen sollten. Da fielen die lebendigen Schlangen von ihnen ab und vergingen (4. Mose 21,6-9). Also musst du dich mit dem Tod Christi allein beschäftigen, so wirst du das Leben finden. Wo du aber den Tod anderswo ansiehest als in Christus, so tötet er dich mit großer Unruhe und Pein. Drum sagt Christus: "In der Welt (das ist: auch in uns selbst) werdet ihr Unruhe haben, in mir aber den Frieden" (Joh 16,33). 2. Auch musst du die Sünde nicht ansehen in den Sündern noch in deinem Gewissen noch in denen, die endgültig in Sünden geblieben und verdammt sind. Wenn du die Sünde so ansiehst, fährst du gewiss hinterher und wirst überwunden. Sondern du musst abkehren deine Gedanken und die Sünde nur im Bild der Gnade ansehen und dasselbe Bild mit aller Kraft in dich bilden und vor Augen haben. Das Bild der Gnade ist nichts anderes als Christus am Kreuz und alle seine lieben Heiligen. Wie ist das zu verstehen? Darin besteht die Gnade und Barmherzigkeit, dass Christus am Kreuz deine Sünde von dir nimmt, sie für dich trägt und erwürgt; und dasselbe fest glauben und vor Augen haben, nicht dran zweifeln, das heißt, das Gnadenbild ansehen und in sich bilden (= ins Herz einprägen). Siehe, so magst du deine Sünde sicher ansehen außerhalb deines Gewissens: Siehe, da sind Sünden nimmer mehr Sünden, da sind sie überwunden und in Christus verschlungen. Denn wie er deinen Tod auf sich nimmt und ihn erwürgt, so nimmt er auch deine Sünde auf sich und überwindet sie für dich in seiner Gerechtigkeit aus lauter Gnaden; so du das glaubst, so schaden sie dir nimmermehr. Also ist Christus, des Lebens und der Gnade Bild gegen des Todes und der Sünde Bild, unser Trost. Das sagt Paulus in 1.Kor 15,57: "Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!" 3. Schließlich musst du die Hölle und ewige Pein mit der Vorsehung nicht in dir, nicht in ihr selber, nicht in denen, die verdammt sind, ansehen, auch dich nicht bekümmern mit so vielen Menschen in der ganzen Welt, die nicht zum ewigen Leben vorherbestimmt sein. Denn siehst du dich nicht vor, so wird dich dies Bild geschwind stürzen und zu Boden stoßen. Darum musst du hier die Augen fest zuhalten vor solchem Blick. Denn der ist nichts nütze, ob du tausend Jahre damit umgingest. Du musst doch Gott lassen Gott sein, dass er weiß mehr von dir als du selbst. Darum sieh das himmlische Bild, sieh Christus an, der um deinetwillen in die Hölle gefahren und von Gott verlassen ist als einer, der verdammt sei ewiglich, da er sprach am Kreuz: Eli, eli lama asabtani: "O mein Gott, o mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Sieh, in diesem Bild ist überwunden deine Hölle, und deine ungewisse Vorsehung gewiss gemacht. Wenn du darum allein dich kümmerst und das glaubst, es sei für dich geschehen, so wirst du gewiss in diesem Glauben erhalten. Betrachte deinen Tod, deine Sünde und deine Hölle nur in ihm und seinem Kreuz, der alles getragen und überwunden hat; lass es dir nur nicht aus den Augen nehmen und suche dich nur in Christus und nicht in dir, so wirst du dich ewiglich in ihm finden. Amen.