Gemeinde St. Maria-Magdalena - Pfarramt - Advokatenweg 48 - 06114 Halle (Saale) Impressum Datenschutz

Der Brief

Liebe Glieder und Freunde unserer Gemeinde St. Maria-Magdalena! Im Urlaub besichtigte ich unter anderem die mittelfränkische Stadt Weißenburg. Dort wird man vor der St. Andreaskirche (in der ein wunderbares lutherisches Bekenntnisgemälde zu sehen ist) von einer ungewöhnlichen Lutherstatue begrüßt. Luther steht nicht auf einem Podest wie in Wittenberg. Er hält die Bibel nicht zugeschlagen in der Hand. Vielmehr steht er auf Augenhöhe mit dem Betrachter und hält in Hüfthöhe die aufgeschlagene Bibel in den Händen mit dem Vers: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele.“ (Matthäus 16,26) So ruft der Reformator mit einem Wort seines Heilandes Jesus Christus in Erinnerung, dass das Wichtigste im Leben nicht irdischer Reichtum, Liebesglück, Urlaubsfreuden, Karrieresprünge oder Gesundheit ist, sondern das Seelenheil. Dieses Wort stammt aus demselben Mund wie das andere Wort in der Bergpredigt: „Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?“ (Mt 6,27) Gemeint ist hier die Länge des irdischen Lebens. Diese bestimmen nicht wir, sondern diese Länge bestimmt allein Gott der Herr. Diese Wahrheit befreit sowohl aus einem fahrlässigen Leichtsinn im Umgang mit dem eigenen Leben als auch aus panischer Angst, es vor der Zeit zu verlieren. Unser Leben ist in Gottes Hand. Er hat es geschenkt. Er wird es beenden. Im Hebräerbrief heißt es: „Es ist den Menschen bestimmt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht.“ (Hebr 9,28) Um uns in diesem himmlischen Gericht nach dem irdischen Lebensende zu erlösen, ist Christus gekommen, für uns gestorben zur Vergebung der Sünden und auferstanden, um uns in Taufe, Wort und Nachtmahl ewiges Leben zu schenken. Darum geht es in der Kirche. Der lutherische Dichter in der Stadt Nürnberg Sigmund von Birken (von ihm stammen zwei Lieder im Gesangbuch: Nr. 67 und Nr. 252) schreibt 1681, als in Deutschland die letzte große Pestepidemie wütete: „Die Regierenden haben in solchen Zeiten sich darum zu kümmern, dass man an allen Orten gelehrte Seelen- und Leibärzte und verständige Apotheker findet. Vor allem soll man Betstunden anordnen, in welchen, gleichwie auch in den Predigten, die Priester das Volk Gottes ihrer Sünden, auch ihrer Leibes- und Seelengefahr, erinnern, sie zur Buße, zu eifrigem Gebet, ernstlich vermahnen, die Gottlosen warnen, die Frommen trösten, auch sonst die Kranken und Sterbenden fleißig besuchen müssen. Das alles, damit ja keine erlöste christliche Seele verwahrlost werde, deren Blut Gott von ihren Händen fordern wird. Die Gesunden sollen nicht aus Furcht sich des öffentlichen Gottesdienstes enthalten, sondern fleißig zur Kirche kommen, sich dort trösten und unterrichten lassen und für ihre kranken Mitchristen bitten. Wer darüber hinaus bedenkt, dass die Sünde mit ihren Folgen (Mt 15,19) eine größere Not ist als jede Krankheit, der wird eilen, um sich in der Beichte und im Himmelsmahl Trost und Stärkung zu holen. Denn es ist gerade in Pestzeiten nicht nur ratsam, sondern hochnötig, sich oft durch den Gebrauch dieser geistlichen Arznei mit Gott zu versöhnen.“ Ob und wann in unserer aktuellen Lage Impfstoffe oder wirksame Medikamente gegen diese oder jene Krankheit vorliegen werden, wissen wir nicht. Wenn sie wirksam sind und gewissenhaft geprüft, dürfen wir sie dankbar in Gebrauch nehmen. Auch heute gilt freilich, was zu noch schlimmeren Pandemiezeiten galt: Wichtiger als die Gesundheit ist das Seelenheil. Wichtiger als die Frage nach langem Leben ist die Frage nach von Gott gesegnetem Leben. Dieses Leben wird uns ausgeteilt und geschenkt, wo Christus nach seiner Einsetzung zu uns spricht in seinem Wort und uns speist an Leib und Seele in seinem Mahl. Weil Leib und Seele nach Jesu Meinung gleichermaßen erlösungsbedürftig sind, kommt er auch leibhaft und geistlich zu uns und schenkt uns an Leib und Seele ewiges Leben. Das ist gewisslich wahr. So grüße ich Sie herzlich als Ihr Pastor Armin Wenz
Mittelfenster der Magdalenenkapelle
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Foto: A.Wenz