Gemeinde St. Maria-Magdalena - Pfarramt - Advokatenweg 48 - 06114 Halle (Saale) Impressum Datenschutz

Der Brief

Liebe Freunde und Glieder unserer Gemeinde St. Maria-Magdalena! Ereignisreiche Wochen liegen hinter uns. Dankbar schauen wir einerseits zurück auf die Begegnung mit unserer Nettelkamper Partnergemeinde, die mit uns nicht nur eine wunderbare Zeit in Köthen und Großwülknitz verbrachte, sondern auch den Gottesdienst zum Gedenken an das 185jährige Bestehen unserer altlutherischen Gemeinde mitfeierte. Pfarrer Eisen führte uns in seiner Predigt noch einmal eindrücklich die Entstehungszeit der Gemeinde vor Augen. Bis heute leben und profitieren wir vom Bekennermut unserer Mütter und Väter im Glauben, die um der Klarheit des Abendmahlsbekenntnisses willen Verfolgung und Entbehrung auf sich nahmen und das Kirch- und Gemeindeleben in Freiheit von staatlicher und gesellschaftlicher Bevormundung zu organisieren wagten. Viele wanderten damals aus und bereicherten lutherische Gemeinden draußen in der Welt. Heute erleben wir umgekehrt, wie andere bei uns zuwandern und nachfragen, was es um das Evangelium und um das Bekenntnis der Kirche ist. So durften wir am 20. Oktober bei unserm nachgeholten Erntedankfest die Aufnahme von gleich drei Erwachsenen aus dem Iran erleben, die zuvor andernorts getauft, aber noch nicht gründlich unterwiesen worden waren. Auch ein weiterer erwachsener Mann und zwei Kinder wurden getauft und so in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Welch Grund zur Mitfreude – auch anschließend an den Gottesdienst beim Verzehr des reichhaltigen deutsch-persischen Mittagsbüffets im Gemeindehaus! Auf der anderen Seite erlebten wir zwischen diesen beiden erfreulichen Terminen den schlimmen Anschlag auf die jüdische Synagoge in unmittelbarer Nachbarschaft der Wohnungen einiger Gemeindeglieder. Zwei Menschen wurden ermordet, weil ein durch Verschwörungstheorien fanatisierter und durch Gewaltspiele enthemmter Bürger meinte, Herr über Leben und Tod spielen zu müssen. Wir haben im Gottesdienst am 13. Oktober in besonderer Weise der Opfer dieses Attentats, des Täters und auch unserer jüdischer Mitbürger in der Predigt und in den Fürbitten gedacht. Der Beauftragte unserer SELK für „Kirche und Judentum“ hat eine kurze, lesenswerte Stellungnahme verfasst: https://www.selk.de/index.php/newsletter/5416-kommentar-zum-attentat-in-halle-saale-10-10-2019 Auch wenn es kaum möglich ist, Menschen, die sich in einer selbstgewählten Isolation verrennen, mit kirchlichen Stellungnahmen zu erreichen, so ist es doch eine bleibende Aufgabe aller, sich gründlich über das Judentum zu informieren und so jedenfalls im eigenen Wirkungsbereich dem Hass auf jüdische Menschen zu widerstehen und zu widersprechen. Hilfreich zur Information ist dazu auch die Studie der Theologischen Kommission unserer Kirche über das Thema „Kirche und Judentum“, die ich gerne zur Lektüre empfehle: https://www.selk.de/download/Lutherische_Orientierung12.pdf Möge der dreieinige Gott allem Extremismus in unserm Land wehren und uns und alle Menschen vor Terror, Hass und Verblendung gnädig bewahren oder daraus befreien. Es grüßt Sie alle herzlich, Ihr Pfarrer Armin Wenz