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Der Brief

Liebe Glieder und Freunde der Gemeinde St. Maria-Magdalena! Angesichts des bevorstehenden Reformationsfestes, darf auch daran erinnert werden, dass die Unterscheidung von Kirche (und Religion allgemein) und Staat eine der Errungenschaften der lutherischen Reformation gewesen ist. Der Staat hat die Pflicht, zum Schutz seiner Bürger Gesetze zu schaffen und diese auch mit seinem Gewaltmonopol nach innen und nach außen zu verteidigen. In der Kirche dagegen gilt, wie unser Augsburgisches Bekenntnis deutlich sagt (Art. 28), dass allein mit dem Wort zu regieren ist, nicht mit dem „Schwert“, also nicht mit äußerer Machtausübung. Ein Staat mag sich auch Gedanken darüber machen, inwieweit „Einwanderung“ ermöglicht oder begrenzt werden soll und wie Integration am besten gelingen kann. In der Kirche dagegen gilt, dass alle Menschen aus allen Völkern willkommen sind, die in Christus den Sohn Gottes und damit ihren Herrn und Heiland erkennen. Zur Unterscheidung von Kirche und Staat gehört auch, dass es in der Kirche um letzte Wahrheiten geht, weil es um die Heilsfrage, um Bekennen oder Verleugnen (Matth 10,32-33; Röm 10,9-10), geht. Daher müssen hier auch klare Urteile im „Ja“ oder „Nein“ fallen, wo die Heilsbotschaft so verfälscht wird, dass sie von der Bibel her nicht mehr wiedererkennbar ist. Im Staat dagegen gibt es über die Vorgaben der Zehn Gebote hinaus selten „die Wahrheit“ schlechthin. In den meisten Fällen ist abzuwägen zwischen größeren und kleineren Übeln oder größeren und kleineren Gütern. Wenn wir Ende Oktober wieder das Reformationsfest feiern, dann werden wir daran erinnert, dass Reformation etwas anderes ist als die Rückgewinnung von Werten, ohne die eine Gesellschaft nicht auskommen kann. Ja, Reformation ist sogar viel mehr als die Bemühung um die rechte Gestaltung der Kirche. Der Theologe Johannes Wirsching schrieb einmal: „Am Anfang der lutherischen Reformation steht nicht der Drang nach Umgestaltung oder Neubeginn der Kirche, sondern die Frage nach dem Heil.“ In der Kirche wird also nicht noch eine weitere Baustelle aufgerissen zusätzlich zu den vielen Baustellen unseres Lebens. Die Kirche als der Bau Jesu Christi ist vielmehr der einzige Ort, an dem Menschen, die zwischen persönlichen Schulderfahrungen und schicksalshaftem Leid hin und her geworfen sind, aus Gottes Mund hören, dass ihr Leben geborgen und aufgehoben ist unabhängig von der Frage, was sie in ihrem Leben leisten oder wo sie versagt haben. Unser Gott ist in Christus Mensch geworden, ist in die Welt gekommen, um uns sein Heil in Vergebung unserer Schuld und in der Gabe eines neuen Lebens mit ihm zu schenken. Warum dieses Heil für uns Menschen nötig ist - gerade angesichts des allen Menschen bevorstehenden Jüngsten Gerichts -, wie dieses Heil im Leben, Lehren, Sterben und Auferstehen Christi vollendet wurde und wie es ausgeteilt wird in den Gnadenmitteln, die Christus seiner Kirche gegeben hat, das ist der Inhalt des Kleinen Katechismus Martin Luthers, wie ihn unsere Kinder im Unterricht lernen. Solches Lernen und Einprägen der kirchlichen Grundlagen (die Engländer sagen: „learning by heart“) ist für Alt und Jung eine zentrale Voraussetzung dafür, dass wir als Christen ein gesundes Selbstbewusstsein und eine fest gegründete Urteilsfähigkeit gewinnen in einer Zeit, in der andere Religionen und  Weltanschauungen mit Macht und Selbstgewissheit um die Seelen und Gemüter der Menschen kämpfen. Nehmen wir daher – für uns und für unsere Kinder – die Angebote unseres Gottes wahr, damit wir heilsame Antworten geben können, wenn Menschen uns nach dem Grund unserer Hoffnung fragen, wozu der Apostel Petrus schon vor 2000 Jahren die Christen ermunterte (1.Petrus 3,15)! Glaubensstärke finden wir für uns selbst und auch als Kirche nicht in uns, sondern allein in Christus. Das sich Sammeln um seine Gaben, das Empfangen seines Heils, das Lernen seiner Lehre hat die Verheißung, dass es nicht ohne Wirkung bleibt. Denn in seinen Gaben ist er selbst am Werk, um unsern Glauben zu bewahren und seine Kirche zu bauen. So grüße ich Sie herzlich als Ihr Pfarrer Armin Wenz