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Bildbetrachtung zur

Jahreslosung 2022

Jesus Christus spricht:

Wer zu mir kommt, den werde ich

nicht hinausstoßen.

Johannes 6, 37

Auf dem Titelbild bleibt unser Auge zunächst am hellsten Punkt hängen: Warm scheint die Sonne dieser und der zukünftigen Welt. Langsam arbeitet sie sich von oben her hinter den Bergen hervor. Mehr und mehr gewinnt sie an Kraft und Raum. Aller Nebel lichtet sich. Die Nacht, die noch vieles schluckt, sie ist im Schwinden. Der Mond ist im Abnehmen begriffen. Zugleich drücken beide Gestirne nebeneinander aus: Das, wovon dieses Bild uns kündet. Das, was uns hier zugesagt wird. Es gilt am Abend wie am Morgen, allezeit. Und: Wie die Sterne so zahlreich sind diejenigen, die erleben sollen: das Versprechen, das hier gemacht wird, ist verlässlich und trägt. Doch blicken wir erst einmal auf die triste Wirklichkeit: Zur Linken setzen sich die hohen Berge und die schlammig- zerklüftete Unordnung bis ins Tal hinein fort. Stell Dir vor, es sind die Brocken, die gerade auch vor Deinen Füßen liegen. Die Sorgensteine, die Dein Herz belasten und Dich nach unten ziehen. Die vielen dunklen Fels-Lasten, die das Leben so schwer machen, dass alles mehr und mehr aus den Fugen gerät. Der Boden des Bildes gleicht hier links einem Urmeer mit einem braunen Fisch oder Fuchs und einer Totenfratze im Wasser: Weit hergeholt sind die beunruhigenden Klimawandelnachrichten wahrlich nicht. Dürren und Fluten, Starkregen, Unwetter und Hitze, … – all das bedrängt auch unser Leben. Und auf der rechten Seite? Dort sieht es ähnlich erschütternd aus. Auch hier findet sich kein Ort, an dem man sich dauerhaft heimisch fühlen könnte. Schroff wirkt der Raum. Nachtumhüllt dunkel und kalt wie ein Grab. Kantig ragen finstere Wolkenkratzer in die Nacht. Die Fenster undurchsichtig und vereist. Oder sind es gar keine Hochhäuser? Ist es doch der Bug eines gewaltigen Schiffes, der unter der Mondsichel hervorragt?! Ein leckgeschlagener, sinkender Kahn, dem sicheren Untergang geweiht? Eine unwirtliche Welt. Und doch ist da Licht! Nicht nur oben am Himmel, sondern mitten in der dunklen Felsschlucht unserer Wirklichkeit. Deutlich ist da der Übergang in eine andere Welt zu erkennen. Was unüberwindbar scheint, trägt längst in sich doch die Möglichkeit zu etwas Neuem. Da ist: eine Tür, ohne Haus, ein Portal. Der, der sagt: „Ich bin das Brot, der Weinstock, der Hirte, das Licht, der Weg, die Wahrheit, das Leben!“. Er sagt auch: „Ich bin die Tür“ (Johannes 10, 9). Da liegt sie nun in unserem Blickfeld, etwas erhöht, mit einer signalfarben-leuchtenden Treppe davor. Von Treppe, Tür und Himmel her fällt Licht auf und in alles Dunkel und alle Verwirrung. Überall, wo es links und rechts sandfarbengelb, violett, blau oder türkis aufleuchtet, ist es wie eine Einladung, sich aufzumachen zu Treppe und Tür. Die Treppe ebnet einen Weg über allen „Unrat“ und alle „Bremsklötze“ hinweg. Sie führt hinaus aus allem Dunkel. Wer sie beschreitet, erlebt, wie auf ihrem oberen Drittel von rechts Wasser herabströmt. Es reinigt und belebt alle, die diesen Weg wählen. Und dann ist da das Tor selbst. Man sieht nicht wirklich, was in seinem Innern oder dahinter liegt. Aber da scheint jemand in der offenen Tür zu stehen, rechts. „Seine Kleider sind hell wie das Licht. Sein Angesicht leuchtet wie die Sonne.“ (Matthäus 17, 2) Sein Kreuzeszeichen gleicht fast einem Schwert. Und in der Mitte der Tür: eine Stichflamme: Alles, was diesseits der Tür ist an Dunklem, es vergeht beim Durchgang ins Licht. Und nun entdecken wir auch auf diesem Bild Menschen, die sich aufmachen – verstohlen, tastend, sehnsuchtsvoll. In ihnen spiegelt sich bereits das Licht. Sie leuchten in seinem Schein. Sie sind auf dem richtigen Weg. Ein anderer tut sein Werk an ihnen. Er zieht sie in eine gute Richtung. Er hilft bei jedem Schritt. Das Licht treibt in seine Arme. Die Menschen wollen das Dunkel verlassen. Sie haben die Heilsbotschaft gehört: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. So machen sie sich auf, die Kammer ihres Daseins, die schon vom Licht erhellt ist, langsam hinter sich lassend. Als Gefährten stehen sie einander bei auf dem Weg. Manche sind noch ein Stück entfernt. Andere sind schon fast am Ziel. Mit etwas Fantasie entdecken wir ihre Silhouette zwischen den Brocken links neben der Tür. Wie staunend- neugierige Kinder stehen sie kurz davor einzutreten und mitten aus Dunkel und Chaos hinüberzugehen zu Licht und Leben. Auch wir hören Jesu Wort, das uns Hilfe und Heil verspricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Und wir sehen das Bild, das uns dieses Geschenk sichtbar vor Augen stellt. So lass mich Dir an dieser Stelle einen doppelten, praktischen Vorschlag machen. Ich möchte Dich einladen folgendes zu tun: 1. Benenne den Ort auf diesem Bild, an dem Du gerade bist, wo Du Dich befindest! Mach eine Bestandsaufnahme und ordne Dich ehrlich ein. Das kannst du übrigens das Jahr über immer wieder einmal tun. So wirst Du Dich womöglich zu verschiedenen Zeiten an ganz unterschiedlichen Stellen wiederfinden. 2. Wenn Du das getan hast, dann benenne anschließend den Ort auf dem Bild, an dem Du am liebsten wärest. Hoch in den Bergen?! Entrückt von allem Schweren?! Oder in einer klaren, stillen Nacht, unter dem weiten Himmel auf freiem Feld? Oder unter der warmen Sonne, am Strand eines herrlichen Ferienlandes?! Oder mit der/dem Liebsten für Dich, Seite an Seite, vereint auf dem Weg, einander zugetan in Liebe und hoffnungsfroher Erwartung?! – Wenn das so ist: Dann hast Du im Letzten Sehnsucht nach der weit offenen Tür und DEM, der dort auf Dich wartet. Dann hast Du im Letzten Sehnsucht nach SEINER Welt und allem, was ER dort für Dich bereithält. Dann hast Du im Letzten Sehnsucht danach, wofür Du von Gott geschaffen wurdest. Und dann? Dann mach Dich einfach auf in diese gute Richtung. Betritt die Treppe. Geh Richtung offener Tür. Suche den, der in der Jahreslosung auch zu Dir spricht. Und sei Dir sicher: Dein Hunger wird gestillt werden. Deine Sehnsucht wird sich erfüllen – mehr und besser noch, als Du es Dir vorstellen kannst. Jesus wird Dich nicht wieder hinausstoßen – dorthin, woher Du kommst; dorthin, wo „Heulen und Zähneklappern“ sein wird, wenn dieses wunderbare Tor sich einst für immer schließt. Der Sohn Gottes weist niemanden ab, der sich ihm anvertraut und um Einlass bittet. Er nimmt uns auf, dass wir zuhause bei ihm ankommen, Hilfe finden, leben. Bildbetrachtung von Pastor Helge Dittmer aus Kiel, Quelle: www.GemeindebriefHelfer.de
Acryl von U. Wilke-Müller © GemeindebriefDruckerei.de