Das Abendmahl

Altar der Magdalenenkapelle,
vorbereitet zum Heiligen Abendmahl

Unser Herr Jesus Christus in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: „Nehmet hin und esset:
Das ist + mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.“

Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach:
„Nehmet hin und trinket alle daraus: Dieser Kelch ist das neue Testament in + meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
Solches tut, sooft ihr′s trinket, zu meinem Gedächtnis.“


Kleiner Katechismus (Martin Luther)
5. Hauptstück, 1. Frage:

Was ist das Sakrament des Altars?
Es ist der wahre Leib und Blut unsers Herrn Jesus Christus, unter dem Brot und Wein uns Christen zu essen und zu trinken von Christus selbst eingesetzt.


Gespräch mit dem Pastor vor dem ersten Abendmahlsempfang?

Wer zum ersten Mal in unserer Gemeinde das heilige Abendmahl empfangen will, den bitten wir im Vorfeld des Gottesdienstes mit dem Pastor zu sprechen. Der Hintergrund dieser Bitte ist die Praxis des geschlossenen Abendmahlstisches (weitere Informationen dazu finden Sie unten in den Ausführungen „Die Praxis des geschlossenen Abendmahlstisches“ von Pfr. Dr. Gottfried Martens), die zum einen seelsorgerliche Gründe hat und zum anderen darauf basiert, dass wir durch das biblische Zeugnis und den Bekenntnisschriften der lutherischen Kirche, die mit diesem übereinstimmen, davon überzeugt sind, dass Abendmahlsgemeinschaft zugleich Kirchengemeinschaft ist.

Was ist damit gemeint?

„Kirchengemeinschaft ist Ausdruck vorhandener Lehrübereinstimmung in Verkündigung und Sakramentsspendung. Sie hat die gemeinsame Verkündigung und Mission, die wechselseitige Zulassung zu den Sakramenten und den Austausch von Pfarrern zur Folge.
Darum heißt es in der Grundordnung der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche: ‚Die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche pflegt Kirchengemeinschaft mit allen Kirchen, die Lehre und Handeln in gleicher Weise an die Heilige Schrift und das lutherische Bekenntnis binden. Sie verwirft die der Heiligen Schrift und den lutherischen Bekenntnissen widersprechenden Lehren und ihre Duldung sowie jede Union, die gegen Schrift und Bekenntnis verstößt. Sie weiß sich darin einig mit der rechtgläubigen Kirche aller Zeiten (Grundordnung d. SELK, Artikel 21).‘
Kirchengemeinschaft findet demnach ihre Grenzen dort, wo uns eine Lehre und ein Verhalten begegnen, die dem Wort Gottes entgegenstehen. Dann ist die Kirche nämlich verpflichtet, dagegen Zeugnis abzulegen, notfalls unter Aufrechterhaltung einer schmerzlichen Trennung. Auch das ist Teil einer ökumenischen Verpflichtung.
Die Einheit der Kirche kommt am lebendigsten, deutlichsten und umfassendsten als Gemeinschaft am Altar zum Ausdruck. Dort reicht uns Christus seinen Leib und Blut zur Vergebung der Sünden und schließt uns zusammen zu einer Gemeinde. So stiftet die Abendmahlsgemeinschaft auch Kirchengemeinschaft. Aber nirgendwo ist die Einheit der Kirche auch mehr gefährdet als bei diesem Geschehen. Wir zerstören sie nämlich, wenn wir uns nicht gemeinsam zu dem bekennen, was Christus uns in seinem Wort und Sakrament schenkt, sondern unsere Unterschiede im Bekenntnis vorschnell übergeben.
Die Gemeinschaft am Altar soll denen offen stehen, die das Bekenntnis zur wahren Gegenwart von Leib und Blut des Herrn im Sakrament ablegen, „für uns gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden“. Dieses Bekenntnis darf dabei durch Duldung entgegenstehender Lehre nicht in Frage gestellt werden. Das bedeutet praktisch: Jeder Pfarrer ist zu seelsorgerlicher Achtsamkeit verpflichtet. Christen aus solchen Kirchen, mit denen keine Kirchengemeinschaft besteht, können zum Heiligen Abendmahl nur zugelassen werden, wenn ernste seelsorgerliche Gründe dies gebieten.
Die Liebe zu allen Christen legt dem Pfarrer eine große Verantwortung auf: Er soll helfen, dass jeder das Sakrament zu seinem Heil empfängt und nicht zum Gericht, indem er den Leib Christi nicht unterscheidet von anderer Speise (1. Kor. 11,29). Er steht dafür ein, dass die biblischen Aussagen über die wahre Gegenwart des Leibes und Blutes Christi nicht relativiert werden. Wenn ein Pfarrer Gläubigen aus anderen Kirchen das Sakrament reichen will, hat er zu prüfen, ob sie dem zustimmen, was Luther im Kleinen Katechismus erläutert, und ob sie ihren Glauben an die wahre Gegenwart von Leib und Blut Christi bekennen wollen.
Wer das Heilige Mahl mit diesem Verständnis empfängt, gilt als aufgenommen in die Gemeinschaft der evangelisch-lutherischen Kirche in der Zuversicht, „sich durch Gottes Wort und Geist in der Kirchengemeinschaft des reinen Evangeliums und der einsetzungsgemäßen Sakramentsverwaltung festmachen zu lassen“. Insbesondere ist jeder Pfarrer gehalten, einen Sterbenden, der nach dem Sakrament verlangt, nicht ohne diesen Trost zu lassen.
Werden evangelisch-lutherische Christen in Gemeinden solcher Kirchen zum heiligen Abendmahl eingeladen, mit denen keine Kirchengemeinschaft besteht, sollen sie wissen und bedenken, dass mit dem Abendmahlsempfang die Gemeinschaft mit der Kirche aufgenommen wird, die eingeladen hat. Sie bekennen dadurch, dass die dort vertretene Lehre und Praxis schriftgemäß sei.
Ist das nicht der Fall, darf das persönliche Verlangen nach dem Sakrament sie nicht allein bestimmen. So schmerzlich es im Einzelfalle sein mag: Wir sollen eher verzichten als einem unrechten Umgang mit der Gabe Christi stillschweigend zustimmen.“ (Quelle: https://www.selk.de/index.php/a-z/lexikon-k)

Was heißt das konkret?

Am Abendmahl in unserer Kirche kann teilnehmen, wer in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche zum Abendmahl zugelassen ist oder durch die Teilnahme am heiligen Abendmahl in diese Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft eintreten möchte. Das Gespräch vor dem Gottesdienst soll dazu dienen, dies mit dem Pastor zu klären.

Zur Vorbereitung auf den Empfang des heiligen Abendmahls, empfiehlt sich zudem die Auseinandersetzung mit den Christlichen Fragestücken für die, so zum Sakrament gehen wollen, mit ihren Antworten, gestellt durch Dr. Martin Luther:

1. Glaubst du, daß du ein Sünder bist? Ja, ich glaube es, ich bin ein Sünder.

2. Wie weißt du das? Aus den zehn Geboten; die hab ich nicht gehalten.

3. Sind dir deine Sünden auch leid? Ja, es ist mir leid, daß ich wider Gott gesündigt habe.

4. Was hast du denn mit deinen Sünden bei Gott verdient? Seinen Zorn und Ungnade, zeitlichen Tod und ewige Verdammnis.

5. Hoffest du auch selig zu werden? Ja, ich hoffe es.

6. Was tröstest du dich denn? Meines lieben Herrn Jesu Christi.

7. Wer ist Christus? Gottes Sohn, wahrer Gott und Mensch.

8. Wie viel sind Götter? Nur einer, aber drei Personen, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

9. Was hat denn Christus für dich getan, daß du dich seiner tröstest? Er ist für mich gestorben und hat sein Blut am Kreuz für mich vergossen zur Vergebung der Sünden.

10. Ist der Vater auch für dich gestorben? Nein; denn der Vater ist nur Gott und der Heilige Geist auch; aber der Sohn ist wahrer Gott und wahrer Mensch für mich gestorben und hat sein Blut für mich vergossen.

11. Woher weißt du das? Aus dem heiligen Evangelium und aus den Worten vom Sakrament, und bei seinem Leib und Blut, im Sakrament mir zum Pfand gegeben.

12. Wie lauten die Worte? Unser Herr Jesus Christus in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches tut zu meinem Gedächtnis.
Desselbigengleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden; solches tut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtnis.

13. So glaubst du, daß im Sakrament der wahre Leib und Blut Christi sei? Ja, ich glaube es.

14. Was bewegt dich denn, das zu glauben? Das Wort Christi: Nehmet hin und esset; das ist mein Leib; nehmet hin und trinket alle daraus; das ist mein Blut.

15. Was sollen wir tun, wenn wir seinen Leib essen und sein Blut trinken und das Pfand also nehmen? Seinen Tod und Blutvergießen verkündigen und gedenken, wie er uns gelehret hat; Solches tut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtnis.

16. Warum sollen wir seines Todes gedenken und denselben verkündigen? Daß wir lernen glauben, daß keine Kreatur hat können genug tun für unsere Sünden, denn Christus, wahrer Gott und Mensch, und daß wir lernen erschrecken vor unseren Sünden und dieselbigen lernen groß achten, und uns sein allein freuen und trösten und also durch denselbigen Glauben selig werden.

17. Was hat ihn denn bewogen, für deine Sünden zu sterben und dafür genug zu tun? Die große Liebe zu seinem Vater, zu mir und anderen Sündern, wie geschrieben steht: Joh. 14,31; 15,18; Röm. 5,6-8; Gal. 2,20; Eph. 5,2.

18. Endlich aber, warum willst du zum Sakrament gehen? Auf daß ich lerne glauben, daß Christus um meiner Sünde willen und aus großer Liebe gestorben sei, wie gesagt, und darnach auch von ihm lerne, Gott und meinen Nächsten lieben.

19. Was soll einen Christen vermahnen und reizen, das Sakrament des Altars oft zu empfangen? Von Gottes wegen soll ihn beides, des Herrn Christi Gebot und Verheißung, darnach auch seine eigene Not, so ihm auf dem Halse liegt, treiben, um welcher willen solch Gebieten, Locken und Verheißung geschieht.

20. Wie soll ihm aber ein Mensch tun, wenn er solche Not nicht fühlen kann, oder keinen Hunger noch Durst zum Sakrament empfindet? Dem kann nicht besser geraten werden, als daß er erstlich in seinen Busen greife und fühle, ob er auch Fleisch und Blut habe, und glaube doch der Schrift, was sie davon sagt: Gal. 5,17; Röm. 7,18.
Zum andern, daß er um sich sehe, ob er auch noch in der Welt sei, und denke, daß es an Sünden und Not nicht fehlen werde, wie die Schrift sagt: Joh. 15,18-21 und 16,33; 1. Joh. 2,15-17 und 5,19.
Zum dritten, so wird er auch den Teufel um sich haben, der ihm mit Lügen und Morden Tag und Nacht keinen Frieden innerlich und äußerlich lassen wird, wie ihn die Schrift abmalet: Joh. 8,44 und 14,30; 1. Pet. 5,8; Eph. 6,11.12 und 2. Tim. 2,25.26.


Die Praxis des geschlossenen Abendmahlstisches

Auf welcher theologischen Grundlage basiert der „geschlossene Abendmahlstisch“?

Es geht nicht darum, Menschen vom Heil auszuschließen

Einen endgültig „geschlossenen Abendmahlstisch“ wird es erst bei der Wiederkunft Christi geben, so schildert es Christus selber in seinem Gleichnis von den zehn Jungfrauen in Matthäus 25,10-12.
Wenn die lutherische Kirche die Praxis übt, Glieder anderer Kirchen nicht bei sich zur Kommunion zuzulassen, dann geht es nicht darum, Menschen vom Heil auszuschließen und die letzte Scheidung zwischen drinnen und draußen schon einmal in die Gegenwart zu verlegen.
Sie maßt sich damit erst recht nicht an, die einzige christliche Kirche zu sein. Sie hat vielmehr andere ernstliche Gründe für die Beibehaltung dieser Praxis.

Voraussetzung ist die Taufe

Voraussetzung für die Teilnahme am heiligen Mahl ist zunächst einmal die Taufe. Nur wer durch die Taufe Kind Gottes geworden ist, ist auch an den Tisch im Vaterhaus Gottes eingeladen. Daher mussten in der frühen Zeit der Kirche Ungetaufte den Gottesdienst vor Beginn der Sakramentsfeier verlassen. Darum geht es wohl auch schon in 1.Kor. 16,22 1 , der am Anfang der Abendmahlsliturgie verlesen wurde.

Zu einem Leib zusammengeschlossen

Im selben Brief schreibt Paulus: „Wer so isst und trinkt, dass er den Leib des Herrn nicht achtet, der isst und trinkt sich selber zum Gericht.“ (1.Kor. 11,29) Eindrücklich weist er darauf hin, dass man sich mit der Teilnahme am heiligen Abendmahl auch schaden kann. Dies geschieht, wenn man „den Leib des Herrn nicht achtet“.
Damit ist ein Doppeltes gemeint:
Zum einen, dass man die Teilnahme am heiligen Abendmahl nur für seine Privatangelegenheit hält und nicht wahrnimmt, dass man durch das heilige Mahl mit den anderen Kommunikanten zu dem einen Leib des Herrn zusammengeschlossen wird. Wer sich lieblos oder unversöhnlich gegenüber denen verhält, mit denen er die heilige Speise empfängt, „achtet den Leib des Herrn nicht“.
Dies geschieht zum anderen aber auch da, wo man glaubt, nur ein Stück Brot und einen Schluck Wein im Sakrament zu empfangen.
Wer die klaren Schriftworte Christi nicht wahrnimmt oder sie umdeutet, erkennt die wahre Gabe des Sakraments nicht und schadet sich gerade so, indem er diese Gabe empfängt, ohne sie zu achten.

Vor dem Mahl das Gespräch mit dem Pastor suchen

Wenn die lutherische Kirche Glieder anderer Kirchen bittet, vor der ersten Teilnahme am heiligen Mahl das Gespräch mit dem Pastor zu suchen, dann möchte sie verhindern, dass Menschen sich das Sakrament zum Gericht nehmen. Sie würde sich schuldig machen, wenn sie verschweigen würde, was ihr zu bezeugen aufgetragen ist.

Die Teilnahme am Heiligen Mahl ist keine Privatsache

Doch sollte man es nicht jedem selber überlassen, ob er zum Sakrament kommen will oder nicht?
Wir hörten schon: Die Teilnahme am heiligen Mahl ist nicht nur meine Privatangelegenheit. Ich werde eingebunden, ja, hineingezogen in die Gemeinschaft derer, mit denen ich das Sakrament empfange.
Darum sollte ich auch Ja sagen können zu dem, was bei dieser Sakramentsfeier bekannt wird, und das Bekenntnis derer teilen, die mit mir das Sakrament empfangen.
Es geht hier schlicht und einfach um Ehrlichkeit. Wenn ich aber das Bekenntnis der lutherischen Kirche teile, dann kann ich nicht am nächsten Sonntag an einer Sakramentsfeier teilnehmen, die dieses Bekenntnis gerade nicht teilt, sondern verschleiert.
Dies ist etwa in den Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) der Fall, die die sogenannte „Leuenberger Konkordie“ unterschrieben und damit die reformierte Abendmahlslehre als richtige Auslegung der Abendmahlsworte Jesu anerkannt haben.
Wer an Sakramentsfeiern in unserer lutherischen Kirche teilnimmt,den bitten wir darum, nicht zugleich in Kirchen mit einem anderen Abendmahlsbekenntnis zu kommunizieren. Und wer erkannt hat, was die Gabe des Sakraments nach den Worten Christi tatsächlich ist, der wird dann auch in der Kirche zu Hause sein wollen, die diese Gabe klar und unmissverständlich bekennt. Und er wird dann schließlich auch Martin Luther recht geben, der sich zu dem Thema klar und deutlich geäußert hat.

Was sagt Martin Luther zu dem Thema?

Martin Luther sagt: „Es ist mir schrecklich zu hören, dass in einerlei Kirche oder bei einerlei Altar sollten beide Teile einerlei Sakrament haben und empfangen, und ein Teil sollte glauben, es empfange nur Brot und Wein, das andere aber glauben, es empfange den wahren Leib und Blut Christi. Und oft zweifle ich, ob’s zu glauben sei, dass ein Prediger oder Seelsorger so verstockt und boshaft sein könnte und hierzu stillschweigen und beide Teile lasse also gehen, ein jeglicher in seinem Wahn, dass sie einerlei Sakrament empfangen, ein jeglicher nach seinem Glauben.“
(Pfr. Dr. Gottfried Martens)

1 Wenn jemand den Herrn nicht liebhat, der sei verflucht. Maranata! (= „Unser Herr, komm!“ oder „Unser Herr kommt!“)